Das Fasten ist so alt wie die Menschheit selbst. Seit jeher hat es Zeiten gegeben, in denen die Menschen gefastet haben. Dies hatte dabei zunächst keineswegs einen bestimmten religiösen Hintergrund. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Fähigkeit unseres Körpers, ohne die der Mensch die Zeit bis heute sicher nicht hätte überleben können.
Beim Fasten versorgt sich der Körper aus seinen Reserven, die er in den Zellen gespeichert hat. Er schaltet sozusagen auf ein Sparprogramm um und greift dann auf die verschiedenen Depots für Kohlehydrate, Eiweiße und Fette zurück. Dabei geht er jedoch nicht wahllos vor. Als erstes werden die weniger wichtigen Speicher geleert. Lebenswichtige Organe sind zunächst geschützt und auf die Muskulatur greift er nur im Notfall zu und wenn diese nicht bewegt wird.
Dies ist auch der Grund, warum wir uns beim Fasten möglichst bewegen sollten. Wandern ist hierfür ideal geeignet, da wir uns dabei nicht überanstrengen können.
Das Leeren der Speicher wird von vielen auch als "Entschlacken" oder "Entgiften" bezeichnet. Dies ist so nicht ganz zutreffend, denn in erster Linie wird ja nur auf die Kohlehydrate, Eiweiße und Fette zurückgegriffen. Die Vorstellung des Entschlackens und Entgiftens geht auf frühere Lehren zurück, nach denen der Körper zur Energiegewinnung die zugeführte Nahrung verbrennt. Was er nicht verwerten kann, bleibt dann wie in einem Ofen als Schlacke zurück. Es handelt sich dabei jedoch um viel komplexere Stoffwechselvorgänge.
Und für die Verstoffwechselung der Nahrung wird auch ein Teil der Energie wieder verbraucht. Denn die Verdauungsvorgänge benötigen etwa ein Drittel unseres täglichen Energiebedarfes. Ist der Körper krank oder geschwächt, wird diese Energie für den Heilungs- und Genesungsprozess benötigt. Nahrung ist hier also unnötiger Ballast, auf den verzichtet werden kann. Sie werden sich möglicherweise an Situationen erinnern, in denen es Ihnen selbst schon so ergangen ist. Eine Erkältung oder andere Infektionskrankheiten dämpfen meist das Hungergefühl ganz deutlich. Und gerade bei Kindern ist es häufig zu beobachten, dass sie nichts essen möchten, während sie krank sind.
Beim Fasten wird dieser Mechanismus des Körpers in gewisser Weise genutzt. Und im Gegensatz zum Hungern führt dies auch nicht dazu, dass der Mensch schwächer wird. Freiwilliges Fasten bewirkt neben den körperlichen aber auch seelische Veränderungen im Sinne einer inneren Einkehr. Dieses ist der Hintergrund für das religiöse Fasten in seinen verschiedenen Formen.
Die positiven Auswirkungen des Fastens waren schon in der Antike bekannt und das Fasten wurde als natürliches Heilverfahren eingesetzt. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Fasten als Heilmethode von einer Reihe von Ärzten wieder entdeckt. Einer dieser Fastenärzte war Dr. Otto Buchinger, nach dem die heute wohl bekannteste Form des Fastens benannt ist. Ursprünglich war seine Methode ein reines Wasser- und Teefasten. Er änderte dies aber später ab und reichte auch Säfte und Gemüsebrühe.
Die verschiedenen Fasten-Methoden sind dabei nicht ganz unumstritten. Neben dem so genannter Buchinger-Fasten gibt es auch das Mayr-Fasten nach F. X. Mayr und andere Formen wie zum Beispiel das Saftfasten. Diese Methoden werden auch als modifiziertes Fasten bezeichnet, da sie nicht mehr dem eigentlichen Gedanken des Fastens entsprechen, bei es ja um den freiwilligen Verzicht auf jegliche Nahrung geht.
Wir halten uns zunächst an das Buchinger-Fasten, weil es aus unserer Sicht gerade für Fasten-Neulinge geeigneter ist. Denn Fasten beginnt im Kopf - und leider endet es auch manchmal dort. Die Rituale des Saftlöffelns und die abendliche Gemüsebrühe sind mehr als seelische Helfer zu sehen, um über den Tag zu kommen. Der Körper braucht diese Unterstützung nicht wirklich.